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Rückblick zur Inszenierung, gesehen am 27.11.2008 (Generalprobe)


Tschaikowski: Eugen Onegin
Staatsoper Stuttgart


Die neue Bewegungssparsamkeit

Vom russischen Plattenbau-Hinterhoffest ohne Schwoof bis hin zum mondänen Aprés-Ski ohne ausschweifendes Luxusgelage der schönen und neureichen russischen Millionäre.


Vom russischen Hinterhof zur russischen Millionärin, das klingt nach ausreichend Konfliktpotential für einen Onegin-Opernabend (Musikalische Leitung Marc Soustrot).
Mutter Larina (Trine Øien), Besitzerin eines Plattenbaukomplexes, setzt die Bewohner mit einer Abfindung an die Luft. Arme Leute (Kostüme Werner Pick), sogar ein echter Hund ist dabei. In dem Gewusel muss er am lauten Orchestergraben vorbei. Ob ihm die angelegten Ohren helfen?
Renoviert wird im Laufe des ersten Aktes.
Die beiden Töchter Tatjana (Karine Babajanyan) und Olga (Tajana Raj) sehen aus wie Schülerinnen einer Privatschule. Tatjana schreibt ihre Liebesschwüre an Onegin (Shigeo Ishino) auf die Plakate der Bauzäune und als Graffiti an die Hauswände. Erschöpft rollt sie sich danach zum Schlafen in einen Bauplan. Assistentin Filipjewna (Cornelia Wulkopf) darf am Morgen alles sauber machen.


Festivitäten
Für das Richtfest (Bühne Kazuko Watanabe ) wird zwischen den grauen Betonwänden - mit abbröckelndem Putz und Stockflecken - in der Mitte eine Rampe hochgefahren. Der Betonboden keilt sich auf und bildet ein Carreé, genau so zweckmässig wie langweilig. Es dient als kaum benutzte Tanzfläche, als Boxring für Lenski (Roman Shulackoff ) und Onegin (Shigeo Ishino), später als eine verschneite Skipiste.
Hinterhofschönheiten mit glitzernden Blusen, knallroten Perücken, obligatorischen Schals (stimmige Kostüme von Werner Pick) feiern ein Fest. Leider kein Ball, kein Schwoof auf dem Hinterhof. Sie flanieren mit dem Sektglas um die Tanzfläche, die kurz von Olga und Onegin benutzt wird.
Rührend Heinz Göhrig als Penner, der im perfektem Fronsssösísch die schöne Tatíí-janná besingt.


Statt Ballsaal des Fürsten Gremin (Liang Li) ein mondäner Skiort. Ein Langstreckenläufer brettelt quer über die Bühne. Die übrigen Skiläufer halten sich an ihren Sektgläsern fest und prosten sich zu. Tatjana im Designer-Skianzug wird in der neuen Gesellschaft bewundert und geliebt. Sie hat ihren Platz im Leben gefunden.


Es schneit - kalt und einsam verläuft die Aussprache in einer Schneewüste.
Nüchtern, ja keine Emotionen zulassen.

Tatjana schüttelt Onegin ab.

Sie hat es ihm gezeigt.

 

>>  Tschaikowski: Onegin (Inhalt - wer, was, wo, warum)

>>  Musikalisches Erlebnis auf höchstem Niveau


 


Staatsoper Stuttgart
Pjotr Iljitsch Tschaikowski: Eugen Onegin
Text von Pjotr Iljitsch Tschaikowski und Konstantin Stepanowitsch Schilowski.
Nach dem gleichnamigen Roman in Versen von Aleksandr Puschkin

Musikalische Leitung: Marc Soustrot
Regie: Waltraud Lehner
Bühne: Kazuko Watanabe
Kostüme: Werner Pick
Licht: Reinhard Traub
Chor: Johannes Knecht
Dramaturgie: Sergio Morabito

 



 

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